Berufsbild Psychiater:in
- Psychiater:innen sind Fachärzt:innen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen behandeln und in ihrer seelischen Gesundheit stärken.
- Psychiater:innen arbeiten evidenzbasiert. Sie orientieren sich an den nationalen und internationalen Behandlungsempfehlungen, aktuellen natur- und geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen und verfügen als elementaren Bestandteil psychiatrischer Kompetenzen auch über psychotherapeutische, medizinische, neurowissenschaftliche, pharmakologische und psychosoziale Expertise. Die Fachärzt:innen sind dank dieser Methodenvielfalt befähigt, alle Menschen mit psychischen Erkrankungen umfassend zu diagnostizieren und zu behandeln.
- Psychiater:innen sind Expert:innen für psychische Erkrankungen. Dazu gehören beispielsweise affektive, psychotische und degenerative Störungen, aber auch Persönlichkeits-, Stressfolge-, Sucht-, Angst- und Traumafolgestörungen. Die Diagnostik und Behandlung erfordern eine Multiperspektivität und eine Orientierung am bio-psycho-sozialen Ansatz, um der Individualität der Patient:innen, ihrem sozialen Umfeld sowie den unterschiedlichen Ursachen der Erkrankung gerecht zu werden.
- Als Fachärzt:innen erkennen Psychiater:innen körperlich-seelische Wechselwirkungen und beziehen körperliche Erkrankungen in die Diagnostik ein. Die Fähigkeit, ihre medizinischen Kenntnisse somatischer Krankheiten in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu integrieren, zeichnet Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie aus.
- Psychotherapeutisch orientiertes Denken und Handeln ist essenzieller Bestandteil aller psychiatrischer Tätigkeiten. Psychiater:innen wenden die integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung (IPPB) und psychotherapeutische Verfahren an, deren Wirksamkeit empirisch überprüft ist (psychodynamisch, kognitiv-verhaltenstherapeutisch, systemisch).
- Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie übernehmen als spezialisierte Grundversorger:innen eine integrierende und steuernde Funktion. Sie arbeiten mit Fachpersonen aus anderen medizinischen Bereichen und Gesundheitsberufen zusammen, beziehen Angehörige mit ein und helfen Patient:innen, ihre Rechte im Umgang mit Behörden und Versicherungen wahrzunehmen.
- Die Arzt-Patienten-Beziehung spielt in der Diagnose und Behandlung eine zentrale Rolle. Das erfordert ein hohes Einfühlungsvermögen, einen professionellen Umgang mit Nähe und Distanz sowie überdurchschnittliche Fähigkeiten in der Gesprächsführung und im Beziehungsaufbau. Voraussetzung dafür ist, das eigene Denken, Fühlen und Handeln konstant zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln.
- Psychiater:innen arbeiten im Bereich der Diagnostik, Therapie, Prävention, Rehabilitation, Begutachtung, Beratung (z. B. Konsilium) oder im Notfalldienst. Forschung und Lehre stellen weitere Tätigkeitsgebiete dar. In allen Bereichen ist eine kontinuierliche Reflexion erkenntnistheoretischer und ethischer Grundlagen gefordert, um die Unabhängigkeit des Faches zu wahren. Die ethische Grundhaltung orientiert sich an der Autonomie und dem Selbstbestimmungsrecht der Patient:innen.
- Psychiater:innen setzen sich in der Öffentlichkeit für die Anliegen von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein. Sie treten der Stigmatisierung und Diskriminierung dieser Menschen entschieden entgegen. Die Fachärzt:innen agieren als Fürsprecher für die soziale Teilhabe und Inklusion von Betroffenen. Diese werden darin unterstützt, auch selbst für ihre Interessen einzustehen.
Version November 2022